:: quaderni di poesia tedesca
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Poesie inedite di Thomas Kunst

 

I.
Die jungen Bücher auf den deutschen Messen,
Historisches Gelächter, Liebesnot
Mit altem Grenzverlauf und schlag mich tot.
Die Flucht aus zweiter Hand wird ausgesessen.
Wenn ich es sage, hört die Sprache auf.
Was sich in Hallen windet, kriegt kein Blut,
Romane ohne Überzeichnungsglut,
Moralisch sauber nur mit Kriegsverlauf,
Vergangenheitsromantik, Diktaturen.
Ich habe keinem Land je nachgeheult,
Und diesem hier schon gar nicht, zum Verrecken,
Da braucht man keine Heimat, höchstens Huren,
Chemie und Schnaps, die Taschen ausgebeult
Mit Schlüsseln, letzten Münzen und mit Schnecken.

II.
DIE LÄNDER ÄHNELN SICH, DIE INDUSTRIEN
Verfallen still verkabelt in Gesänge,
Berauschen sich an der Belegschaftsstrenge,
Das Klima wird belauscht in Hierarchien.
Die Zellen kriminell, im Osten waren
Verfolgungsangst und Not elementarer,
Das Niederhalten von Gedichten klarer.
Zur Freude fehlt nur altes Drohgebaren.
Gedichte zählen zu den Abhördaten.
Auf engstem Raum macht sich Gesellschaft breit
In einer Sprache, die sich göttlich sperrt.
Ich hätte schiessen können und verraten.
In keinem Land war ich dazu bereit.
Die Treue, nein zu sagen, war nichts wert.

III.

ICH WILL GEDICHTE, DIE DAS LAND EINENGEN,
Die stur und lichterlos die Sprache nutzen,
Sich vor dem Ende nicht den Mund abputzen
Mit Heimatschwüren in den Satzanfängen.
Die Staaten regeln das, im Osten gab
Es Solidarität, Parteiausschlüsse,
Die Änderung von innen, Blutergüsse
Vom Meiden der Tribünen, bis ins Grab.
Ich will Ophelia um Getränke bitten,
Aus einem Wasserloch heraus, die losen
Verbrüderungen kommen jetzt zu spät.
Die Liebe geht mit unsichtbaren Titten.
Der Tod erinnert an Urin und Rosen:
Falls an der nächsten Ecke jemand steht.


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